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Mit 76 Jahren über die Alpen

22.03.2019 - 09:03

Klaus Wermker hat die feste Absicht, noch mit 80 Jahren an der TOUR Transalp teilzunehmen.

Elfmal hat der 76-Jährige aus dem Ruhrgebiet die legendäre Alpenüberquerung bereits gemeistert.

Die allererste TOUR Transalp hat der passionierte Ausdauersportler Klaus Wermker aus Essen leider verpasst, aber bereits bei der zweiten Auflage 2004  war er am Start. Zusammen mit seinem Teamkollegen und besten Freund Arndt Paykowski (50) bildet er das Team RuhrMasters. Gemeinsam sind sie ein starkes Duo. Weder die 26 Jahre Altersunterschied noch die Tatsache, dass Wermker seinem jüngeren Freund regelmäßig davonfährt, können daran etwas ändern.  “Streit hatten wir unterwegs noch nie”, sagt Paykowski. 

Mit seinen  76 Jahren ist Wermker der wohl älteste Teilnehmer bei der diesjährigen TOUR Transalp. “In meinem Alter stelle ich mir natürlich immer wieder die Frage, schaffe ich das noch?”, erzählt der Sportler. Doch noch kann den leidenschaftlichen Rennradler nichts aufhalten. “Ich habe die feste Absicht, mit 80 Jahren noch die Transalp zu fahren”, sagt er entschlossen.

Die eigenen Grenzen testen

Um in Form zu bleiben, trainiert Wermker sehr ausdauernd.  “Sport ist ein Teil meines Lebens. Ich bin mit dieser Lust auf Sport geboren”, erklärt der 76-Jährige, der nicht nur auf dem Rennrad Kilometer reißt. Schon 15 Marathonläufe (davon fünf unter drei Stunden), drei Ultraläufe auf der schwäbischen Alb sowie zahlreiche Skilangläufe hat der Essener schon bestritten. Er liebt eben das Extreme: “Es macht mir Spaß, meine Grenzen auszutesten.” Im vergangenen Jahr hat der fitte Essener rund 7000 Kilometer auf dem Rennradtacho gehabt. Außerdem gehören regelmäßige Lauf- und Trainingseinheiten im Fitnessstudio zu seinem festen Sportprogramm.

Rad gefahren ist Wermker schon immer. “Ich hatte ja erst mit 25 mein erstes Auto”, zwangsläufig musste er sich da in den Sattel schwingen, um von A nach B zu kommen. Von seinem Wohnort in Essen braucht der hochmotivierte Radler heute nur eine halbe Stunde, dann ist der bekennende Ruhrgebietler im Bergischen Land angekommen, wo er für die TOUR tranieren kann. Auch, wenn die Berge dort nicht mit den Alpen zu vergleichen sind: “Im Mittelgebirge zu trainieren, ist schwerer als in den Alpen”, meint Wermker – wegen des ständigen Wechsels von Auf und Ab.

Wie ein Familientreffen

Bei elf gemeinsamen Transalp-Rennen erlebt man so einiges, wer weiß das besser als die zwei RuhrMasters?! Darum schreiben die beiden auch an einem Buch über ihre ganz persönliche Transalp, gespickt mit vielen Impressionen von insgesamt mehr als 70 gemeinsamen Etappen. 

Zum Einen sind es die sportliche Herausforderung und die “wunderbare Landschaft”, die die beiden Freunde immer wieder zur TOUR Transalp ziehen. Zum anderen die Menschen: “Es ist wie ein Familientreffen. Viele der Teilnehmer sind Wiederholungstäter”, weiß Wermker. “Man freut sich darauf, alte Bekannte wieder zu treffen, hört sich ihre Geschichten an.” 

Zuammengefunden haben die beiden Rennradler zunächst über das Laufen, genauergesagt über Wermkers Bekanntschaft zu Paykowskis Vater. Als einmal zur Sprache kam, dass der Sohn einen Marathon plante, bot der erfahrene Ausdauersportler an, ihm einige Tipps zu geben. Zwei Jahre später liefen die beiden gemeinsam einen Marathon und verstanden sich prächtig. Als Wermker 2003 einen Artikel über die allererste TOUR in die Finger bekam und ihn seinem Sportsfreund zeigte, war schnell klar: “Da machen wir mit.” Und nach dem Rennen stand ebenso schnell fest: “Das muss wiederholt werden.”

Seit dem haben die beiden Männer schon jede Menge Highlights, aber auch bittere Etappen mit Verletzungen und sogar einem gebrochenen Lenker erlebt. Ihr Ziel haben sie nie aus den Augen verloren: Nicht Letzter werden, heil ankommen und alle Etappen fahren. Unter Druck setzen sich die beiden jedoch nie, jeder fährt so schnell wie er kann. Die  RuhrMasterssind eben nicht nur auf dem Rad ein gutes Team. Auch, wenn der besser trainierte Wermker meist vorweg radelt und an der Verpflegungsstation oder im Ziel wartet - mit einem Eis in der Hand und der nicht ganz ernst gemeinten Bitte, sein Kollege möchte doch rechtzeitig zum Abendessen im Ziel sein. “Nach so einem Rennen hat man schließlich Hunger”, schmunzelt der Ältere der beiden Freunde. 

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