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Das Beste kommt zum Schluss: Auf einen Schnack im Besenwagen

28.06.2019 - 18:01

Der Besenwagen wird von vielen Rennteilnehmern gefürchtet. Dabei gibt es dort immer ein paar aufbauende Worte, ein frisches Wasser oder einen Lift bis zur nächsten Bergspitze.

Die „Gipfelschnecken“ Frauke Gerber (45) und Janine Wolf (41) aus Aachen haben den Besenwagen schon mehrmals von außen wie von innen gesehen und nehmen es mit Humor, dass sie meistens zu den letzten Fahrern gehören. Die Thriathletinnen nehmen zum ersten Mal an der TOUR Transalp teil.

„Wir führen das Team eben von hinten an“,  sagt die 45-jährige. Die beiden Fahrer des Besenwagens, Manfred und Christian, kennen die beiden schon gut, Zeit für einen Schnack bleibt zwischendurch immer. Überhaupt lernen die beiden aus dem Besenwagen eine Menge netter Teilnehmer kennen. „Den harten Kern“, wie sie sagen. Die wirklich spannenden Geschichten passieren doch meistens im hinteren Drittel des Feldes.

Auch Manfred und Christian sind schon bekannt. Wenn sie mit Bus und Anhänger über die Startlinie fahren, jubeln ihnen die Zuschauer zu – nicht zuletzt wegen des Besens, den sie an ihrem Anhänger befestigt haben. Manfred fährt den Wagen seit zwölf Jahren, Christian ist zum ersten Mal dabei und kümmert sich um die medizinischen Belange der hinteren Fahrer und hat immer einen motivierenden Spruch parat.

An einigen Tagen war der Besenwagen so voll, dass ein Taxi-Unternehmen aushelfen musste. An anderen Tagen, wie bei der fünften recht kurzen Etappe, blieb der Wagen vollkommen leer. Manche Teilnehmer geben während einer Etappe auf, andere brauchen nur einen Support bis zum Gipfel und steigen dann wieder aufs Rad – natürlich außerhalb der Wertung. Aber auf das Ergebnis kommt es den „Gipfelschnecken“ aus Aachen sowieso nicht an.

„Wir genießen“,  sagt Wolf, während die  beiden in  einem Café sitzen, durchatmen und das Bergpanorama aufsaugen. „Wir brauchten eine Pause nach dem Anstieg am Mortirolo“, gibt die 41-Jährige zu. Während sie bei Kaffee und Kaltgetränken im Schatten sitzen, kommen auch Manfred und Christian auf einen kurzen Schnack vorbei. Damit der Besenwagen das Trio nicht übersieht, hat die 41-Jährige ihr Fahrrad extra dicht an der Straße abgestellt.

Die Aachener Sportlerinnen gehören zu den wenigen Frauenteams bei der TOUR Transalp. Ihre Männer sind auch dabei, aber um Spannungen wegen unterschiedlicher Geschwindigkeiten zu vermeiden, wollten sie lieber getrennt fahren. „Wir wollen gut und vor allem sicher ankommen“, sagt Gerber und Wolf ergänzt: „Es soll ja auch Spaß machen und wir wollen Zeit haben, mal nach rechts und links zu schauen.“

Trotzdem haben auch die beiden Frauen mal mentale Tiefs. „Dann hilft Musik“, sagt die 45-Jährige. Aber nicht aus dem Lautsprecher. „Ich stelle mir die Musik vor, heute begleitet mich Led Zeppelin.“

Seit der vierten Etappe sind die beiden nicht mehr allein unterwegs, sie haben eine „Adoptiv-Schnecke“ dabei, wie die Frauen ihn scherzhaft nennen: Thilo Klahr aus Unna (47), der alleine gestartet ist, und die Strecke ein wenig unterschätzt hat. Er freut sich, im hinteren Feld nicht mehr alleine kämpfen zu müssen. „Im Team geht es viel leichter“, meint er. Auch gegen Kaffeepausen hat er nichts einzuwenden. „Nur shoppen, das hat er uns verboten“, sagt Wolf lachend.

Dann ist der Kaffee alle, ein letzter Plausch mit dem Besenwagen-Team und weiter geht’s. Bis zum nächsten Verpflegungspunkt, denn dort trifft man sich schon wieder.

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