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Blick hinter die Kulissen: Marc Schneider im Interview

20.01.2020 - 11:53

Wie findet man nach 17 Jahren noch neue Wege? Verändern Einzelstarter den Renncharakter? Warum müssen die Streckenplaner auch Kompromisse eingehen? All das verrät Marc Schneider im Interview.

Die 2020er Strecke führt nicht nur über weltberühmte Pässe, sondern auch in versteckte Winkel der Alpen? Wie findet man die nach 17 Jahren TOUR Transalp noch? Kartenlesen, mit den Locals sprechen, einfach mal drauf los fahren. Manchmal kommen einem Straßen in den Sinn, die man irgendwann vor ein paar Jahren schon mal gefahren ist. Aber es stimmt schon, dass es nach fast 20 Jahren in dem Bereich der Alpen, in dem wir uns bewegen, nicht mehr so viele Straßen gibt, die noch nie dabei waren. Im Alpenhauptkamm mit nur wenigen Pass-Straßen, die über die ganz hohen Berge führen, sind die Möglichkeiten begrenzter als weiter südlich, wo es wieder ein stärker verzweigtes Netz an Bergstraßen gibt.

In diesem Jahr gibt es gleich fünf neue Etappenorte, sind darunter besondere Perlen? Ich möchte da keinen herausheben und bin einfach froh, dass wir so viele neue Orte haben, die einen besonderen kulturellen Mix ausmachen. Lage, Struktur und Architektur sind ungeheuer vielfältig. Es sind auch diese Szenenwechsel abseits des Sports, die eine Transalp ausmachen. Bruneck, eine der wichtigsten Städte Südtirols hat eine entzückende Altstadt. San Martino di Castrozza ist ein klassischer, auf 1500 Metern Höhe gelegener Skiort, der sich nah an die mächtigen Wände der Pale di San Martino schmiegt. Possagno versprüht auf nur 300 Metern Höhe inmitten von Zypressen bereits südländisches Flair. Das historische Zentrum von Asolo liegt mit engen Gassen auf einem Hügel mit weitem Blick über die Ebene zu Füßen des Monte Grappa. Da werden italienische Urlaubsklischees bedient. Und Lavarone ist ein Ort, der sich mit vielen kleinen Weilern auf einer Hochebene auf über 1000 Metern verteilt, die durch Wälder und weitläufige Almen geprägt ist. Alles Perlen also!

Seit 2019 dürfen auch Einzelfahrer starten. Verändert das den Renncharakter? Im Grunde nicht. Auch früher bildeten sich Gruppen, größere und kleinere, die über lange Strecken zusammenblieben. Das war 2019 genauso, nur dass in den Gruppen Teams und Einzelstarter gemeinsam fuhren. Und es gab auch früher Ausreißer. Ob sich zwei als Team absetzen oder ein Einzelstarter wegsprintet, macht für die Organisation keinen großen Unterschied. Wichtig ist, dass Team- und Einzelfahrer, die auf gleichem Niveau fahren, fair miteinander umgehen. Und diesen Eindruck hatte ich im letzten Jahr.

Mit 784 km und 17.795 hm ist die Strecke etwas kürzer als 2019, als sich die Fahrer bei Temperaturen um die 40 Grad über die Berge kämpften. Habt ihr bewusst einen Gang zurückgeschaltet? Nein, eher unbewusst. Die Streckenplanung hängt von den Etappenorten ab und den Straßen, die es dazwischen gibt. Manchmal kann man gestalten, weil man Optionen hat, manchmal ist man Spielball der Straßensituation. Mal ist der kürzere Weg attraktiver als der längere. Mal fällt der kürzere Weg aus, weil er verkehrstechnisch zu schwierig ist. Da spielen viele Faktoren rein. Generell orientieren wir uns am Jedermann-Charakter: Eine Standard-Etappe hat rund 120 km und etwas über 2500 hm. Eine Königsetappe darf das mal deutlich toppen, es ist aber auch schön, mal eine leichtere Etappe drin zu haben. So kommt man in der Regel auf ein vernünftiges Transalp-Maß. Eine Woche, die für die Top-Leute sportlich selektiv, für die Jedermänner herausfordernd aber machbar ist.

Das komplette Interview gibt es auf tour-magazin.de

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