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16-Mal TOUR Transalp: Vom Racer zum Genussfahrer

23.01.2023 - 13:36

Zu Beginn hat er um jede Sekunde gekämpft, mittlerweile bezeichnet er sich selbst als Genussfahrer: Bernhard Rabold (59) hat die wohl meisten TOUR Transalp-Teilnahmen von allen in den Beinen: Ganze 16-Mal hat er bereits am legendären Etappenrennen teilgenommen und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Auch 2023 möchte der Heidelberger wieder an der Startlinie stehen.

Heute muss er allerdings nicht mehr ganz vorne im Starterpult mitmischen. „In den ersten Jahren habe ich um jede Platzierung gekämpft, stand immer in der ersten Startreihe in meinem Block“, erzählt der 59-Jährige. „Aber seit einigen Jahren fahre ich von ganz hinten los und genieße - soweit möglich - die Startphase und die herrliche Aussicht. Ab und zu nerve ich auch die neben mir fahrenden Protagonisten, weil ich mich gerne unterhalte. Mein Motto ist auch immer gewesen: Solange ich noch die Blumen am Wegesrand wahrnehmen kann, ist es gut.“

Vom Triathlon zum Rennradsport

Zum Rennradfahren kam Bernhard über den Triathlon-Sport, auch auf zwei Iromans kann der passionierte Sportler zurückblicken. Probleme mit der Hüfte führten irgendwann dazu, dass er die Laufschuhe an den Nagel hängte und sich ganz dem Radfahren widmete – „das war ohnehin immer meine beste Disziplin.“ 2004 weckte dann ein Bericht im TOUR Magazin sein Interesse für die TOUR Transalp. Ob das auch etwas für seine Frau sein könnte? Um das herauszufinden, ließ Bernhard den Bericht einfach mal offen im Wohnzimmer liegen, und der Plan ging auf. „Denn dann geschah etwas völlig Unerwartetes: Im Januar berichtete mir meine Frau, dass sie sich mit einer Arbeitskollegin noch schnell für das Etappenrennen angemeldet hatte, kurz bevor die letzten Plätze weg waren“, erinnert sich Bernhard. „Man muss dazu sagen, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch nie Rennrad gefahren ist.“

Mehr als 100 Etappen in den Waden

Mit Bernhards eigener Teilnahme wurde es dann zunächst nichts, denn tatsächlich war das Rennen ausgebucht. Also begleitete er das Frauen-Team zunächst im Wohnmobil. 2006 war es dann soweit, der Heidelberger brach zu seiner ersten TOUR Transalp auf und kehrte danach Jahr für Jahr zurück. Neben der TOUR Transalp hat der 59-Jährige schon elfmal den Ötztaler Radmarathon, zwölfmal die Alpenchallenge und diverse weitere Tages- und Mehrtagesrennen bestritten.

Der leidenschaftliche Rennradler arbeitet hauptberuflich an der Universität und hantiert dabei viel mit Zahlen, darum weiß er auch: „Bei der letzten Transalp (2022) habe ich sozusagen mein 100. Transalp-Etappenjubiläum gefeiert. 15 Teilnahmen wären 105 Etappen aber zwei Etappen wurden gestrichen und eine abgebrochen. Und so sind es streng genommen meinerseits nur 102 Etappen.“ Für Bernhard ist die TOUR Transalp viel mehr als nur ein Rennen. „Man trifft dort immer wieder die gleichen Leute“, das trage viel zum Charakter des Events bei. Erinnerungen und Anekdoten hat der Sportfan zahlreiche auf Lager.

„Einmal ist mir auf dem Weg nach Trento zu Beginn des letzten Anstieges die rechte Kurbel gebrochen und so musste ich mit einem Bein fast 1000 Höhenmeter hochkurbeln.“ Oder: „Auf dem Weg nach Kaltern habe ich durch Dehydration schon halluziniert. Da das Ziel oben war, musste ich aber noch die letzten Kilometer nach unten rollen, was mir noch schwerer fiel. In Kaltern habe ich dann eine Infusion bekommen und mir ging es sogleich wieder gut.“

Erinnerungen, die bleiben

Einen richtigen Unfall hatte er zum Glück noch nicht. „Ein Teilnehmer hatte mich deswegen mal den Unkaputtbaren genannt“, erzählt er. Und alle nicht-negativen Ereignisse, da ist sich Bernhard sicher, sind positive Emotionen „und das sind dann fast 100 %“. Denn nach wenigen Tagen verblassten die Erinnerungen an die Anstrengungen und die Strapazen auf der Strecke und was bleibe, seien dann nur positive Gefühle.

Die vielen Landschaftseindrücke, die einem in der kalten Jahreszeit beim Spinning Bilder ins Hirn zaubern, die atemlos geführten Gespräche unterwegs mit zufälligen Teilnehmern, die im Ziel glücklichen, geschafften Protagonisten beim Fußbad von Jentschura, das gemeinsam erfrischend abkühlende Brunnenplantschen. Und immer wieder alte Bekannte treffen.“

In 2023 will Bernhard wieder bei der TOUR Transalp mitmischen, solo oder im Team, das hängt noch davon ab, ob er einen geeigneten Partner oder eine Partnerin findet. 2022 ist er erstmals solo gestartet. Das war auch gut, aber so einem kommunikativen Menschen wie dem Heidelberger, fehlt dann doch der ständige Austausch auf der Strecke. 

Tanzen, Spinning, Skifahren

Auch, wenn Bernhard nicht auf dem Rad sitzt, steht Sport ganz oben bei seiner Freizeitgestaltung: Er tanzt im Tanzkreis und in der Diskothek, macht zweimal die Woche Krafttraining, geht zum Spinning, gönnt sich Sonntag „eventuell mal einen Ruhetag“, hat früher Basketball, Handball, Eiskunstlaufen und Alpin Skifahren gemacht. Und was ihn im Alltag ebenfalls fit hält: So lange es trocken und über 10 Grad ist, fährt er die 127 Kilometer lange Strecke zu seiner Freundin  am Wochenende mit dem Rennrad nach Hause – das perfekte Training für die nächste TOUR Transalp.

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