Termin 24. - 30.06.2018

Stilfser Joch

Stilfser Joch (2.757 m), Italien, Provinz Bozen – Südtirol

Der zweithöchste asphaltierte Übergang der Alpen – nur der Col d’Iseran in Frankreich überragt das Stilfser Joch um 13 Meter – ist ein heißer Titelanwärter auf die Krone der Passstraßen:

Auf der Nordostseite erwarten den Rennradler 48 Kehren, 1.870 Höhenmeter und die Aussicht auf den 3.905 Meter hohen Ortler. Ab Gomagoi (1.267 m) sind alle Serpentinen nummeriert und teilweise mit Höhenangaben versehen. Mit Nummer 22 beginnt an der Franzenshöhe (2.188 m) der baumfreie Schlussanstieg, auf dem man kommende Serpentinen und Passhöhe immer vor Augen hat.

Das kann motivieren – oder bei Schwäche zermürben. Die etwas kürzere Südwestseite ist weniger spektakulär, zudem verstellen Galerien und Tunnels in der unteren Hälfte den Blick. Die von 1820 bis 1826 vom österreichischen Kaiserreich gebaute Straße sollte die Lombardei, die zu Österreich gehörte, schnellstmöglich mit Südtirol verbinden.

Pässe können aber auch trennen: Im Ersten Weltkrieg verlief zwischen 1915 und 1917 die Italienfront über das Stilfser Joch. Heute kämpfen dort Radler mit der Höhe und sich selbst: die Profis beim Giro d’Italia, der regelmäßig vorbeischaut, die Extremradler beim Race Across The Alps und jedes zweite Jahr die Hobbyradler bei der TOUR Transalp.

Seit einigen Jahren wird Ende August oder Anfang September der „Radtag Stilfser Joch“ veranstaltet; dann ist die Straße von Trafoi bis Bormio bis in den späten Nachmittag für Autos und Motorräder gesperrt.

Text: Jörg Wenzel, Fotograf: Uwe Geißler