Termin 24. - 30.06.2018

Ofenpass

Ofenpass (2.149 m), Schweiz, Kanton Graubünden

Im hintersten Winkel der Schweiz, ganz im Südosten, liegt der Ofenpass und verbindet als ausgebaute Straße seit 1872 das Engadin mit dem Südtiroler Vinschgau.

Seinen Namen verdankt der Pass dal Fuorn, wie er auf rätoromanisch heißt, den Schmelzöfen, die bis ins späte Mittelalter auf der bündnerischen Seite der Eisenherstellung dienten. Seine abgeschiedene Lage mag der Grund dafür sein, dass die Tour de Suisse noch nie vorbeikam – würde der Pass doch sonst zu den zehn höchsten der Rundfahrt zählen. Seine Höhe bekommen aber nur die Radler zu spüren, die sich von Osten her, aus dem Vinschgau, aufmachen.

Dann sind 1.300 Höhenmeter zu erklimmen, die sich gut fahrbar auf 27 Kilometer verteilen. Kilometer zum Genießen. Durch das weite, offene Val Müstair, das Münstertal, mit schönen Kirchen, dem weltberühmten Kloster St. Johann und Dörfern mit wuchtigen Engadiner Häusern, deren Architektur sich hier schon mit der des Vinschgau mischt.

Wer von der leichteren Westseite auf den Ofenpass klettert, dem zeigt er landschaftlich ein anderes, wilderes Gesicht: nach dem ersten, härteren Anstieg nach Ova Spin (1.879 Meter) führt die Straße durch den Schweizer Nationalpark, ein Reservat, in dem die Natur vor allen menschlichen Eingriffen geschützt wird. Man schaut in unzugängliche Täler hinein und auf dichte Föhrenwälder, die einen an Kanada erinnern. Eine faszinierend düstere Landschaft.

Text: Jörg Wenzel, Fotograf: Uwe Geißler