Termin 25.06. - 01.07.2017

Mortirolopass

Mortirolopass (1.852 m), Italien, Lombardei

Mortirolo: Der Name grollt wie Donner durch die Radsportszene. Ehrfürchtig zittern selbst die Kletter-Experten unter den Profis, wenn sie sein zackiges Profil im Streckenplan des Giro d’Italia entdecken.

Seit 1990 spielt der Mortirolo (1.852 Meter) regelmäßig den Scharfrichter der ­Italien-Rundfahrt. Seine absolute Höhe von nicht mal 2.000 Metern wirkt neben den Nachbarn Stilfser Joch (2.757 m) und Passo di Gavia (2.618 m) wenig bedrohlich, doch die Steilrampen sind es umso mehr: 12, 13 Prozent über längere Strecken, dazu einige Passagen mit 16, auf wenigen Metern auch mal 18 Prozent – das setzt schon eine gewisse Leidensfähigkeit voraus.

Der Mortirolo verbindet das obere Veltlin mit dem Val­camonica im Süden. Um sich der Passhöhe zu nähern, kann man zwischen verschiedenen Varianten wählen, weil mehrere alte Militärsträßchen den Bergrücken wie ein Netz überziehen. Die von uns beschriebene zwischen Mazzo und Monno ist von allen Strecken die populärste, weil die Nordseite extrem schwer ist. Von ihrem Klassiker-­Status zeugt das Pantani-Denkmal 1,5 Kilometer unterhalb der Passhöhe. Bereits die Serpentinen oberhalb von Mazzo erfordern den Einsatz des Rettungsritzels, sind aber nur ein schaler Vorgeschmack. 

Ein letztes Stoßgebet an der Kirche San Matteo – dann folgt für viele Radler die Hölle. Steil kippt das Sträßchen Richtung Vertikale und peinigt den Körper während der folgenden 1.000 Höhenmeter ohne Gnade. Keine Aussicht lenkt ab, weil die Straße schnell im dichten Wald verschwindet. Für landschaftliche Schönheiten hätte man bei Puls 180 ohnehin nicht viel übrig. Im Vergleich dazu könnte man den Südostanstieg, der kurz unterhalb der Ortes Monno beginnt, mit durchschnittlich 7,6 Steigungsprozenten fast schon als Kinderspiel abtun.

Text: Matthias Rotter, Fotograf: Uwe Geißler